Zu den Betriebskosten von RIPE NCC – und warum die Mitgliedsbeiträge drastisch gesenkt werden sollten
Wie viel vom Budget einer Registrierungsstelle fließt in die Erfüllung ihres eigentlichen Auftrags?

Die unverzichtbare Kernleistung muss klar umrissen bleiben. Die Mitglieder sollen selbst entscheiden, welche zusätzlichen Aktivitäten sie unterstützen möchten.
Die Betriebskosten von RIPE NCC sorgen immer wieder für Kontroversen, und das aus gutem Grund. Um sie angemessen zu beurteilen, müssen wir bei den Grundlagen beginnen: Was tut eine regionale Internet-Registrierungsstelle tatsächlich, und was ist ihr eigentlicher Auftrag?
Der Kernauftrag von RIPE NCC ist eng umrissen. Die Organisation betreibt eine Registrierungsdatenbank für IP-Adressen und AS-Nummern sowie RPKI zur Authentifizierung von Routinginformationen. Technisch ist das nicht komplex. Die Registrierungsdatenbank selbst ist nur wenige hundert Megabyte groß, und RPKI ist ein klar definierter technischer Dienst. Alles andere – Schulungsprogramme, große Konferenzen, Messplattformen, umfangreiche Reisetätigkeit und die Infrastruktur für die Einbindung der Community – ist eine Ergänzung, keine Grundlage.
Dennoch beläuft sich das geplante Budget von RIPE NCC für 2024 auf 38,2 Millionen Euro. Davon sind rund 9,6 Millionen Euro für die Kerndienste der Registrierungsstelle vorgesehen; weitere etwa 10 Millionen Euro entfallen auf grundlegende betriebliche Unterstützung wie Personalwesen, Rechtsangelegenheiten und Räumlichkeiten. Selbst ohne einschneidende Effizienzmaßnahmen könnte RIPE NCC seine unverzichtbaren Aufgaben mit ungefähr der Hälfte seines derzeitigen Budgets erfüllen. Mit anderen Worten: Die Mitgliedsbeiträge könnten allein dadurch um mindestens 50 % gesenkt werden, dass sich die Registrierungsstelle auf das konzentriert, was sie tatsächlich leisten soll.
Die verbleibenden 20 Millionen Euro finanzieren „Mehrwertdienste“: Informationsplattformen, Treffen, Schulungen, Öffentlichkeitsarbeit und Reisen. Einige dieser Angebote sind nützlich, manche sind hervorragend. Doch ihr Nutzen rechtfertigt nicht, sie in einen verpflichtenden Beitrag einzubinden. Die Mitgliedsbeiträge der RIRs wirken faktisch wie eine Steuer auf den Internetzugang, die jeder Endnutzer indirekt bezahlt. Wenn ein Beitrag verpflichtend ist, verlangt die Fairness, ihn so niedrig wie möglich zu halten und strikt auf unverzichtbare Aufgaben zu beschränken.
Das ist wichtig, weil die von RIPE betreute Region keineswegs überall wohlhabend ist. Zu ihr gehören Länder, in denen weiterhin Konflikte herrschen, Volkswirtschaften im Umbruch und Gemeinschaften, für die einige hundert Euro eine erhebliche Belastung darstellen. Betreibern in diesen Regionen Beiträge abzuverlangen, mit denen sie weltweite Reisen, Konferenzen und Dienstleistungen subventionieren, die sie womöglich nie nutzen werden, ist weder gerecht noch vertretbar.
Die Lösung ist einfach. Der verpflichtende Mitgliedsbeitrag sollte die Kerndienste der Registrierungsstelle finanzieren – Registrierung und RPKI – und nichts anderes. Alle übrigen Aktivitäten sollten davon getrennt und auf freiwilliger Basis finanziert werden: durch Sponsoring, Spenden, nutzungsabhängige Gebühren oder unabhängige Stiftungen. So handeln gemeinnützige Organisationen in allen anderen Bereichen verantwortungsvoll. Wenn Angebote wie RIPE Atlas, RIPEstat, Schulungen oder Treffen einen echten Nutzen bieten, wird es genügend große Betreiber und Sponsoren geben, die bereit sind, sie direkt zu unterstützen.
Dieselbe Logik gilt für Reisen und Veranstaltungen. Community-Treffen sind wertvoll, müssen aber nicht durch eine pauschale Abgabe aller Mitglieder finanziert werden. Große Telekommunikationsunternehmen und diejenigen, die an den Treffen teilnehmen, können sie ohne Weiteres durch Sponsoring oder Teilnahmegebühren finanzieren. Unverzichtbare Infrastruktur sollte nicht von einer immer weiter wachsenden Bürokratie abhängen.
In der Debatte sollte es nicht darum gehen, die Beiträge neu zu verteilen oder festzulegen, wer mehr bezahlt. Es sollte darum gehen, den Aufgabenbereich konsequent zu begrenzen. Alles streichen, was nicht unverzichtbar ist, die Beiträge auf das niedrigstmögliche Niveau senken und optionale Angebote ihren eigenen Nutzen unter Beweis stellen lassen. Schon diese eine Entscheidung würde unmittelbar wieder für Fairness sorgen, Teilnahmehürden senken und RIPE NCC zwingen, seine Struktur an seinem Auftrag auszurichten.
Diese Veränderung sollten die Mitglieder einfordern.