Warum IPv6 sich niemals durchsetzen wird
Welche Aufwendungen müsste eine Umstellung wieder einspielen, bevor tatsächlich betriebene Netze sie vollziehen?

Die beiden Gerätesätze stehen sinnbildlich für den Betrieb zweier Protokolle; sie stellen keine Hardwareanforderung dar. Lu Heng fragt, ob der zusätzliche Betriebsaufwand einen entsprechenden Ertrag bringt.
IPv6 wird sich niemals so durchsetzen, wie es die RIR-Welt versprochen hat.
Nicht, weil IPv6 „schlechte Technik“ wäre. IPv6 funktioniert. Der Grund ist einfacher: Es widerspricht dem wirtschaftlichen Interesse von ISPs, Cloudanbietern und real betriebenen Netzwerken.
Netzwerke sind keine Wohltätigkeitsorganisationen. Sie müssen mit knappen Margen, ständigen Investitionsausgaben und endlosen Betriebsrisiken überleben. Jede Migration, die die Komplexität erhöht, muss sich durch zusätzliche Einnahmen oder geringere Kosten auszahlen. IPv6 leistet keines von beidem im erforderlichen Ausmaß.
IPv6 fügt ein zweites Universum hinzu. Dual-Stack ist kein „Übergang“, sondern dauerhafter Mehraufwand: mehr Routing, mehr Sicherheitsregeln, mehr Werkzeuge, mehr Schulung, mehr Sonderfälle, mehr Ausfälle. Man zahlt doppelt und verdient dasselbe.
Und das größte Problem ist die Knappheit.
IPv6 beseitigt Knappheit durch seine Konzeption. Keine Knappheit bedeutet keine Preissetzungsmacht. Keine Preisfindung. Keinen Wert als Vermögensanlage. Es drängt Netzwerke zurück in ein unendliches Angebot, bei dem der Wettbewerb nur noch darin besteht, Preise bis auf null zu senken.
Die Knappheit von IPv4 bewirkt das Gegenteil. Sie schafft einen Hebel. Sie macht IP zu Kapital. Sie ermöglicht Netzwerken, knappes digitales Land zu besitzen, durch Wiederanlage der daraus erzielten Erträge ihr Kapital zu vermehren und dem Geschäftsmodell an der Armutsgrenze zu entkommen, das allein auf der Arbeit beruht, Bandbreite bereitzustellen.
Deshalb hat IPv6 nach zwanzig Jahren Predigten IPv4 noch immer nicht ersetzt. Denn Betreiber stimmen nicht mit Schlagworten ab. Sie stimmen nach Anreizen ab.
Selbst die „IPv6-Unterstützer“ in Governance-Kreisen behandeln IPv6 oft als gesellschaftliches Signal. Es ist der richtige Satz, den man in dieser Runde sagt. Er hält einen im Club. Doch er ändert nichts daran, was Betreiber tatsächlich tun, wenn die Anreize nicht stimmen.
Stattdessen wird geschehen, was bereits geschieht.
IPv6 wird dort existieren, wo es vorgeschrieben, einfach oder kostenlos ist. Es wird als Ergänzung genutzt werden. Es wird an den Rändern langsam wachsen. Aber es wird IPv4 nicht beseitigen, denn IPv4 zu beseitigen bedeutet, den wertvollsten Marktmechanismus zu beseitigen, der Netzwerken jemals geboten wurde.
Knappheit ist kein Fehler. Durch Knappheit schafft das System Kapital.
Die tatsächliche Zukunft lautet deshalb nicht „IPv6 überall“. Die tatsächliche Zukunft ist IPv4 als ausgereifter Markt für Vermögenswerte, auf dem Vermietung, Preisbildung und reale Eigentumsverhältnisse das Verhalten prägen.
Betreiber sollten aufhören, so zu tun, als wäre es anders.
Hört auf, euch für Knappheit zu entschuldigen.
Hört auf, euren Hebel an Menschen zu verschenken, die eure Rechnungen nicht bezahlen.
Behandelt IPv4 als Kapital und baut als Eigentümer auf.